Ursprung der asiatischen Kampfkünste
Sofern wir uns ausschließlich auf die asiatischen Kampfkünste beziehen, gilt in der Literatur weitgehend durchgängig, der gemeinsame Ursprung in Shaolin, jenem Sagen umwobenen Kloster in China, als gesichert. Der Begründer des Shaolin-Klosters war Boddhidahrma, ein aus Indien kommender Gelehrter. Zeitlich befinden wir uns um ca. 500 nach Chr. Boddhidahrma war keineswegs ein indischer Krieger, sondern ein weiser Mann aus Indien, der die Yogalehre verinnerlicht hatte. Die Yogalehre stellt ein sehr umfassendes Weisheitssystem dar, das schon zu damaliger Zeit auf eine 2-3 tausend Jahre alte Tradition zurückblicken konnte. Der damals in Indien praktizierte Buddhismus, (Buddha lebte um 500 v. Chr.), die Aspekte des Yoga, und der damals in China vorherschenden Taoismus, sind die drei Quellen aus denen sich Shaolin damals speiste. 
Andererseits war er aber auch kein Krieger im militärischen Sinne. Das heißt, der Begriff Kampfkunst bezog sich schon damals nicht auf Kriegstechnik. Boddhidarma ging es darum, seinen Mönchen einen inneren Auseinandersetzungsprozess nahe zu bringen und bei entsprechendem Interesse des Übenden, auch eine entsprechende Entwicklung ab zu verlangen. Boddhidahrma forderte damals schon, daß der Mensch sich auf seine eigenen, in ihm schlummernden Kräfte stürzen und diese entwickeln solle, um in, und für sein Leben, die absolute Meisterschaft zu erringen.
Dementsprechend bestand sein Training, die Japaner sagen heute, die Form des Bemühens, nicht im einstudieren von tötungstauglichen Kriegstechnicken, sondern aus Übungen, die Körper, Geist und Seele, so trainieren, daß innerer Wachstum und Reife des Übenden dabei herauskommen. Wie sehen solche Übungen aus ? Sie stellen eine sehr effiziente Kombination aus Atem, Körperstellung, und mentaler so wie emotionaler inneren Haltung dar. Genannt werden sie üblicherweise die Mönchsboxübungen. Der Begriff Boxen bezieht sich dabei aber nicht auf einen Schlagabtausch, mit einem äußeren Gegenüber, sondern auf ein Boxen mit dem inneren „ Schweinehund“ der sich bei dieser Form von Übung ständig in den Weg stellt. Darüber hinaus, werden bei entsprechendem Fortschritt, innere alchimistische Prozesse vom Übenden in Gang gesetzt, wodurch die Übungen im gewissen Sinne erst zum Leben erweckt werden.
Ich glaube, das es legitim ist, diese Möchsboxübungen als die Trainingsgrundlage, aller Kampfkunstbemühungen anzusehen.
Im Laufe der Jahre und Jahrhunderte, hat sich allerdings vieles an dieser brisanten Übungsform verändert. Einiges kam hinzu, was durchaus dem Verständnis und erreichen des inneren Ziels dienlich war. Anderseits wurde die zentrale äußere, genauso wie die innere Übungsform, mehr und mehr, abgewandelt und verfälscht. Teilweise so weitgehend, das eine vollkommene Verfremdung stattfand.
Zum Beispiel die Verwirrung des Begriffes „Kampf“.
Schleichend, oder zum Teil unter bestehenden politischen Verhältnissen auch vorsätzlich, wurde aus dem inneren Bemühen, zu dem das äußere Training nur Medium ist, in den Hintergrund gedrängt, so daß die äußere kämpferische Kraft, zum zentralen Ziel der Kampfkünste erklärt wurde. Von da war es nicht weit zum Krieg und zur Kriegsführung. Die Samurai und Buschidokulte haben sicher großartige Kämpfer zum Vorschein gebracht.
Aber die wirklich großen waren diejenigen, die die Notwendigkeit zur Unterscheidung zwischen innerem Bemühen und äußerem Kämpfen begriffen haben, und sozusagen die äußere Entstellung der Kampfkünste, im inneren wieder zurückgenommen haben.
Im Laufe der Jahrhunderte und bis zum heutigen Tage erfuhren und erfahren die Kampfkünste immer wieder Wandlungen und Veränderungen in ihrer Bedeutung. Entsprechend der Bedürfnisse und der Motivationen der Menschen und Gesellschaften, die mit den Kampfkünsten in Berührung kamen, haben sich immer wieder neue Formen und Stile gebildet. Vieles Wertvolle ist in Vergessenheit geraten, es wurde mancher Blödsinn aufgestellt, aber auch viele neue, sehr wohl für die Menschen hilfreiche und förderliche Formen geschaffen. Ich traue mir nicht zu, über diese Jahrhunderte alte Entwicklung auch nur die allerwichtigsten Strömungen zu erörtern. Dazu ist das Gebiet zu umfangreich. Aber aufgrund meiner nun 30 jährigen Erfahrung als Budo-Treibender und Studierender, kann ich doch folgendes bestätigen: Alle Schüler, die irgendwann einmal einen tieferen Eindruck von der Essenz der Kampfkünste erfahren haben, bleiben im gewissen Sinne infiziert. Schüler die mich nach Jahren und Jahrzehnten wieder treffen, äußern fast durchgängig folgenden Satz. „ Ich wollte immer wieder mit meinem Training weiter machen, aber … . Was ist das denn, diese Faszination, die die Kampfkünste einfach nicht verlieren? Nicht über die Jahrhunderte, und auch nicht über persönliche Lebens und Schicksalsschläge für den modernen Menschen.
Die Kampfkünste sind also in irgendeiner Form dazu geeignet etwas innerliches im Menschen anzuregen, das häufig in unserem hektischen Alltag zu kurz kommt.
